•   10 April 2019

Selbstbewusstsein: Fake it till you make it!

Ob beim Pitchen zur Neukundengewinnung, auf Events, bei der Platzierung von Inhalten in Medien oder beim Verkauf neuer Projekte an den Kunden – der PR-Berater ist ein Parade-Beispiel für ein Berufsbild, in dem ein selbstsicheres, offenes Auftreten essenziell ist. Denn wie möchte man andere überzeugen, wenn man nicht eine gewisse Selbstüberzeugung ausstrahlt?

Auch gegenüber Kollegen und Führungspersönlichkeiten schadet ein gesundes Maß an Selbstbewusstsein nicht, denn neue berufliche Gelegenheiten und Beförderungen kommen selten von selbst.

Wie also kann man lernen, selbstsicher aufzutreten? Welche Strategien sind wirklich hilfreich? Wir geben einen kleinen Einblick.

Introversion oder Schüchternheit?

Besonders schwierig ist selbstbewusstes Auftreten oft für Menschen, die von Natur aus eher introvertiert sind. Zuerst einmal ist es wichtig zu wissen, dass Introversion nicht pauschal mit Schüchternheit gleichzusetzen ist. Während hinter einem mangelnden Selbstbewusstsein oft die Angst vor Ablehnung steht und aus diesem Grund soziale Interaktionen vermieden werden, empfinden introvertierte Persönlichkeiten Kontakt zu Mitmenschen als energetisch fordernd – und können daher nur für begrenze Zeit Präsenz zeigen.

Woher ein zurückhaltendes Auftreten auch rührt – auch stille Menschen haben in der PR-Branche durchaus die Möglichkeit, sehr erfolgreich zu werden. Denn neben einer kommunikativen Art erfordert der Beruf noch andere wichtige Qualitäten wie Kreativität und Empathie. Diese Eigenschaften sind nicht nur in der Arbeit mit dem eigenen Team, sondern auch gegenüber Kunden und Journalisten ein großer Gewinn.

An tief verankerten Persönlichkeitsmustern zu arbeiten, um mehr Selbstbewusstsein zu erlangen, ist ein langfristiger Lösungsansatz. Aber auch schon kurz- und mittelfristig können einfache Strategien dabei helfen, zumindest selbstbewusster zu wirken.

Das Pferd von hinten aufzäumen

Zunächst sollte man sich die Frage stellen, welche gegenwärtigen Verhaltensweisen auf den Betrachter unsicher und wenig selbstbewusst wirken. Nur so kann auch eine Verbesserung vorgenommen werden – bekanntlich ist Selbsterkenntnis der erste Schritt zur Besserung.

Ein unsicheres Auftreten äußert sich beispielsweise folgendermaßen:

Unklare Aussagen: Wer „man“ statt „ich“ sagt, oft den Konjunktiv nutzt und relativiert („eventuell“, „vielleicht“), distanziert sich von seiner Aussage – und signalisiert dem Gesprächspartner Unsicherheit.

Sprechweise: Die Stimme verrät alles! Eine hohe, leise Stimme sowie eine schnelle Sprechgeschwindigkeit (gegebenenfalls sogar Verhaspler) lassen darauf schließen, dass der Sprecher sich in der aktuellen Situation unwohl fühlt.

Körpersprache: Verkrampfte, hochgezogene Schultern, verschränkte Arme, ein gesenkter oder schief gelegter Kopf, versteckte Hände sowie überkreuzte Beine signalisieren eine Schutzhaltung oder senden Beschwichtigungsgesten zum Gesprächspartner.

Nervöse Gestik: Wer mit den Fingern spielt, sich oft durchs Haar fährt oder mit einem Stift spielt, wirkt wenig souverän auf seine Außenwelt.

Oft eignen wir uns diese Verhaltensmuster unbewusst an. Bevor es an Gegenmaßnahmen gehen kann, sollte man also der eignen Mimik, Gestik und Sprache sorgfältig auf den Grund gehen und so ein Bewusstsein dafür entwickelt, wo Verbesserungsbedarf besteht. Dabei kann auch konstruktives Feedback von Kollegen, Bekannten sowie der Familie helfen, die uns in sozialen Alltagssituationen erleben. Wer besonders mutig ist, filmt sich in einer Trainings-Situation – und kann so sein Verhalten analysieren und anpassen.

Gegenstrategien entwickeln

Hat man sich selbst dieser unsicheren Verhaltensweisen überführt, kann man sich mit möglichen Lösungen beschäftigen. Um die eigene Präsenz zu stärken, können folgende Tipps hilfreich sein:

Kleidung: Das mag zunächst trivial erscheinen – aber Kleider machen tatsächlich Leute. Wer sich seriös kleidet, wird von seiner Außenwelt ebenso wahrgenommen und behandelt. Das wiederum hat einen positiven Effekt aufs eigene Auftreten. Wichtig ist auch, dass man sich in seinem Outfit wohlfühlt und man dem Dress-Code der jeweiligen Veranstaltung oder Gegebenheit entspricht. Nur so ist man auch innerlich gerüstet, dem Gegenüber auf Augenhöhe zu begegnen.

Kommunikation: Klare, eindeutige Aussagen treffen, zur eigenen Meinung stehen und auch einmal „Nein“ sagen. So weiß der Gesprächspartner genau, woran er ist, und nimmt Sie als kompetente Persönlichkeit wahr.

Sprache: Nur wer laut, deutlich und langsam spricht – und dabei auch die ein oder andere Pause macht – wird gehört. Denn bei einer unsicheren Sprechweise geht der Inhalt der Rede völlig unter. Die Stimme hat zudem unterbewusst einen sehr starken Einfluss darauf, ob wir einer Person Sympathie und Vertrauen entgegenbringen.

Körpersprache: Eine aufrechte Körperhaltung, Handgesten, die das Gesagte unterstützen, und Blickkontakt zu den Zuhörern strahlen Offenheit und Selbstvertrauen aus. Dagegen sind Hände in den Taschen, hängende Schultern und nervöse Gesten tabu, da sie dem Gesprächspartner sofort ins Auge stechen und Unsicherheit signalisieren.

Vorbereitung: Sie ist alles und kann Stresssituationen wie Vorstellungsgespräche oder wichtige Präsentationen entspannen. Wenn man sich zuvor eine grobe Vorstellung davon macht, was man sagen möchte – und auch darüber, welche Rückfragen das Gegenüber vermutlich stellen wird – geht man ruhiger mit anstrengenden Meetings oder Präsentationen um. 

Noch eine gute Nachricht zum Schluss: Selbstbewusstes Auftreten kann, wie viele andere Fähigkeiten auch, trainiert werden und fällt mit zunehmendem Bewusstsein für die eigenen Verhaltensweisen und bei regelmäßiger Übung immer leichter. Wenn man unter mangelndem Selbstbewusstsein leidet und etwas an der inneren Einstellung ändern möchte, sind langfristigere und tiefer greifende Maßnahmen nötig. Aber auch hier hilft: Fake it till you make it! Denn wenn unser Umfeld uns für selbstbewusst hält, hat das wiederum einen positiven Effekt auf unser Selbstbewusstsein. Zu guter Letzt trägt natürlich auch positives Denken zur Verbesserung bei. Und viel Geduld!