•   08 August 2018

Logbuch: Geschäftsreise in Asien II

Ostasien – eine Region voller kultureller Vielfalt und mit enormem wirtschaftlichen Potenzial. Unsere Kollegin und Expertin für interkulturelle Kommunikation unternahm vor Kurzem eine Geschäftsreise nach Südkorea und China. Hier erzählt sie von ihren Erlebnissen und bringt uns die fernen Länder etwas näher:

Tag 4 – Von Seoul nach Peking – Eine Zeitreise

Am Sonntag ging die Reise von Seoul in eine andere, nahegelegene Hauptstadt: Peking. Mein letzter Besuch liegt schon eine Weile zurück und es ist atemberaubend, was sich seither getan hat. Es ist fast, als würde man in der Zeit reisen, so futuristisch ist das Stadtbild an manchen Stellen geworden.

Auf meinem Weg ins Hotel hat sich gezeigt, wie hilfreich meine verschüttet geglaubten Brocken Mandarin doch sein sollten. Die Sprachbarriere scheint meine primäre Herausforderung auf dieser Reise zu sein: Einen Weg finden, obwohl man „Lost in Translation“ ist.

Tag 5 – Digitalisierung auf chinesische Art

Die Zeitreise, die ich gestern erlebt habe, brachte mir heute einige interessante Erkenntnisse. Mein erstes Meeting fand in einem Café in einer nahegelegenen Shopping-Meile statt.

Und in der Tat traf ich auf meinem Weg dorthin auf ein paar familiäre Schilder: City Supermarket – das war während meiner Zeit in Shanghai von 2003 bis 2006 der Lieferant der meisten heimischen Lebensmittel. Element Fresh – welch Überraschung, eine kleine Insel westlichen Essens hier in Peking zu finden, da es seine erste und lange Zeit einzige Filiale im Ritz Portman in Shanghais Nanjing Lu hatte.

In meinem Meeting traf ich den Geschäftsführer einer ansässigen Agentur, der seit über 20 Jahren in Asien lebt und ein erfolgreiches Business von Grund auf errichtet hat. Der geborene Brite konnte interessante Einblicke in die genauen Wünsche seiner Kunden geben und wir haben uns über die Erfahrungen auf den relevanten Märkten ausgetauscht.

Eine Erkenntnis aus diesem Gespräch und dem, was ich darüber hinaus beobachten konnte: Digitalisierung mit all ihren Begleiterscheinungen ist hier viel akzeptierter als in Europa. Apps, Onlineportale und digitale Angebote bieten eine große Bandbreite an Möglichkeiten – und neue Sales Channels wie WeChat Shops sind bereits sehr etabliert im Vergleich zu Deutschland, wo Unternehmen erst seit ein paar Wochen die Möglichkeit zum Direktverkauf bei Instagram haben.

Wenn man sich den WeChat Shop Service einmal genauer ansieht, bemerkt man, dass es eine interessante Möglichkeit für europäische Unternehmen und Marken ist, sich auf dem chinesischen Markt zu etablieren, ohne eine lokale Organisation gründen zu müssen. Mit dem richtigen Partner kann alles aus der Ferne abgewickelt werden und durch lokale PR- und Marketing-Aktivitäten unterstützt werden. So sieht man am Ende des Tages genau, welchen Einfluss diese auf den Umsatz hatten.

Tag 6 – Es geht nichts ohne Beziehungen

In China funktioniert Business nur über Beziehungen und Vertrauen. Deshalb ist die Stimmung zwischen Business-Partnern genauso essentiell wie das Netzwerk. Guanxi, das Spinnennetz der Beziehungen und das Geflecht, auf dem Unternehmen basieren, ist unerlässlich. Natürlich ist es unabdingbar auch Leistung zu bringen, aber dazu benötigt man eine Basis aus vertrauensvollen Beziehungen, die erst durch zahlreiche Geschäftsessen, Golfstunden und Business Meetings entstehen. Als Außenstehender ist es zuerst einmal notwendig, eine gemeinsame Basis zu schaffen, auf der das Business aufgebaut werden kann. Mit ersten Projekten beweist man ein solides Fundament für ein gemeinsames Engagement.

Die Tage in China waren gefüllt mit Meetings, Abendessen und Key Notes, was eine echte Erfahrung für mich war. Ich hatte zum ersten Mal einen Dolmetscher, der meine Worte Satz für Satz übersetzte und das war schon auch eine Herausforderung, die Dame neben mir nicht einfach zu ignorieren.

Rückflug – Mit China im rasanten Flug gen Westen

Sechs Jahre nach meiner letzten Asien-Reise und 12 Jahre nachdem ich selbst dort lebte, wieder dorthin zu reisen war wirklich interessant. China im Speziellen veränderte sich enorm und blieb doch in vieler Hinsicht wie ich es kannte. Es ist ein Unterschied, ob man in einem Land lebt und es im Alltag erlebt oder ob man es besucht, um Geschäfte zu machen. Aber selbst durch das kurze „Hineinschauen“ bekommt man einen kleinen Einblick in die atemberaubende Mission, der China derzeit begegnet.

Der 2015 beschlossene Masterplan mit dem Namen „Made in China 2025“ wurde erstellt, um China als „Produzent der Welt“ zum globalen Technologieführer inklusive Forschung und Entwicklung zu manövrieren. Auch Kernbranchen wie Telekommunikation, künstliche Intelligenz, autonomes Fahren und viele weitere Branchen, sollen vom Masterplan profitieren.

Der Effekt, den wir in westlichen Ländern bemerken, sind die chinesischen Investoren, die sich die Hidden Champions in den Hauptindustriezweigen wie Roboter (KUKA) oder selbstfahrende Lieferanten (Grammer) einkaufen. Auf der anderen Seite adressieren chinesische Hersteller immer mehr Märkte außerhalb Chinas mit ihren Produkten. Dabei sieht man mehr und mehr Produkte fern von „chinesischer Billigware“ oder Kopien von etablierten Marken.

Wie wir auf die Entwicklungen in China gefasst sein sollten

Dieser rasante Wandel Chinas ist eine Herausforderung und eine Chance für alle involvierten Partner, Unternehmen und Märkte. Wir in Europa und darüber hinaus stehen vor der Aufgabe, dem zu begegnen, es anzunehmen und damit umzugehen.

Zu sehen, wie schnell China Technologien wie Gesichtserkennung und Mobile Payment annimmt, kann interessant zu beobachten sein. Wir können davon lernen und diese Technologien in einer Art und Weise so anpassen, dass sie zu unserer Kultur passen. Und das ist der Punkt an dem wir als Kommunikationsexperten chinesischen Unternehmen helfen können. Damit diese Annäherung funktionieren kann, müssen wir miteinander sprechen, uns austauschen und die jeweiligen Hintergründe verstehen und – wie ich es während meines Trips nach Peking und Shanghai erlebt habe – eine solide Beziehung zueinander aufbauen.

Heike Schubert